Wie wird Brettschichtholz hergestellt?
Was ist Brettschichtholz?
Brettschichtholz kommt überall dort zum Einsatz, wo die Abmessungen eines massiven Holzbalkens für die statischen Anforderungen eines Bauwerks nicht mehr ausreichen. Brettschichtholz (BSH) ist ein Massivholz, das aber im Unterschied zu Konstruktionsvollholz (KVH) dann eingesetzt wird, wenn hohe Tragfähigkeit, große Spannweiten oder spezielle Formen gefragt sind. Dies ist insbesondere im Hallenbau, im Brückenbau sowie bei kreativen Sonderkonstruktionen der Fall – den drei Kompetenzbereichen von Schaffitzel Holzindustrie.

In diesem Video können Sie einen Blick hinter die Kulissen unserer BSH-Produktion werfen. Von der sorgfältigen Feuchtemessung der einzelnen Holzlamellen über die genaue Sortierung und Keilzinkung bis hin zur Verklebung und abschließenden Hobelung – jeder Schritt ist geprägt von Präzision und Verantwortung für ein qualitativ hochwertiges Brettschichtholz.
Schritt für Schritt: Wie wird BS-Holz hergestellt?







Wie ist der Aufbau von BSH?

Das Brettschichtholz der Festigkeitsklasse GL30c zeichnet sich durch eine besonders hohe Tragfähigkeit aus. Etwa ein Drittel der verwendeten Lamellen entspricht dabei der Festigkeitsklasse T22. Dieser hohe Wert wird nur von sehr feinjährigem und astarmem Holz erreicht und kommt in der Praxis vergleichsweise selten vor. Damit stellt GL30c die höchste Festigkeitsklasse dar, die von Schaffitzel Holzindustrie produziert wird.
Als Mitglied der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. hat Schaffitzel zudem das Überwachungszeichen BS-Holz erworben, das seit 2009 das Gütezeichen BS-Holz abgelöst hat. Mit dem Überwachungszeichen BS-Holz wird eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Qualität des Brettschichtholzes nachgewiesen.
Weitere Infos zu Produktionsrichtlinien von BS-Holz finden Sie im Menüpunkt zu den Merkblättern.

Welche Holzarten eignen sich für die Herstellung von Brettschichtholz?



Accoya basiert auf nachhaltig gewonnenem Kiefernholz, das durch ein spezielles Acetylierungsverfahren mit Essigsäureanhydrid dauerhaft modifiziert wird. Dadurch erhält das Holz eine außergewöhnlich hohe Formstabilität sowie eine hervorragende Widerstandsfähigkeit gegenüber Feuchtigkeit und biologischen Einflüssen. Accoya-Brettschichtholz kann dauerhaft bewittert eingesetzt werden und eignet sich sogar für Anwendungen mit direktem Erd- oder Süßwasserkontakt.


Häufige Fragen zum Thema Baustoff Holz, insbesondere Brettschichtholz
Warum werden bei der Produktion von Brettschichtholz auch Sonderholzarten eingesetzt?
Standardmäßig wird Brettschichtholz aus Fichtenholz hergestellt, da es sich besonders gut für weit gespannte Dachtragwerke und Konstruktionen im Innenbereich eignet. Diese Tragwerke sind in der Regel vor direkter Bewitterung geschützt.
Bei kreativen Sonderkonstruktionen im Außenbereich – beispielsweise Aussichtstürmen, Kunstobjekten oder nicht überdachten Brücken – sind die Anforderungen an das Holz jedoch deutlich höher. Neben einem konstruktiven Holzschutz, etwa durch geeignete Verschalungen und Abdeckungen, kommen deshalb auch witterungsbeständigere Sonderholzarten zum Einsatz. Dazu zählen insbesondere Lärche, Douglasie sowie das acetylierte Accoya-Holz, das sich durch eine besonders hohe Dauerhaftigkeit und Formstabilität auszeichnet.
Auch Buchenbrettschichtholz zählt zu den Sonderholzarten. Aufgrund seiner Eigenschaften darf es jedoch nicht bewittert werden und wird ausschließlich im Innenbereich eingesetzt. Als leistungsfähiges Laubholz bietet Buche sowohl ökologische Vorteile als auch eine hochwertige Optik für anspruchsvolle Tragwerke und architektonische Anwendungen.
Welche Nutzungsklassen gibt es für BS-Holz?
Für BS-Holz werden unterschiedliche Nutzungsklassen definiert, die sich nach den Feuchtebedingungen im späteren Einsatzbereich richten. Nutzungsklasse 1 beschreibt trockene Innenbereiche, Nutzungsklasse 2 Bereiche mit gelegentlich erhöhter Luftfeuchte und Nutzungsklasse 3 den Außenbereich mit direkter Bewitterung. Die Nutzungsklasse beeinflusst unter anderem die Anforderungen an Holzart, Verklebung und konstruktiven Holzschutz.
Warum wird in der BSH-Produktion die Holzfeuchte jeder einzelnen Lamelle separat gemessen?
Bei der Herstellung von Brettschichtholz, bzw. Leimbindern, wird die Holzfeuchte jeder einzelnen Lamelle gemessen, weil die Feuchte ein entscheidender Einflussfaktor für die spätere Qualität und Dauerhaftigkeit des Bauteils ist.
Der wichtigste Grund ist die Verklebung: Der Leim haftet nur zuverlässig, wenn die Holzfeuchte in einem engen Bereich liegt (typisch etwa 8–15 %, je nach Norm und Einsatz). Ist eine Lamelle zu feucht oder zu trocken, kann die Klebfuge schwächer werden oder sich später lösen.
Ein zweiter Punkt sind Formstabilität und Spannungen. Holz arbeitet – es quillt bei Feuchtigkeit und schwindet beim Trocknen. Wenn einzelne Lamellen unterschiedliche Feuchten haben, kommt es nach dem Verleimen zu inneren Spannungen. Diese können sich später als Verzug, Risse oder im schlimmsten Fall als Delamination (Ablösen der Schichten) zeigen.
Außerdem sorgt die Einzelmessung für eine homogene Ausgangsbasis: Nur Lamellen mit ähnlicher Holzfeuchte dürfen zusammen in einen Balken gehen. So wird sichergestellt, dass sich das gesamte Bauteil später gleichmäßig verhält, insbesondere bei wechselnder Raum- oder Außenluftfeuchte.
Nicht zuletzt ist es auch eine Qualitäts- und Normanforderung (z. B. nach EN 14080): Die Feuchte muss kontrolliert dokumentiert werden, um die Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit des Brettschichtholzes zu gewährleisten.
Was hat die Sortierung der Lamellen nach der Holzfeuchte mit der Festigkeitsklasse und der Nutzungsklasse zu tun?
Die Holzfeuchte hat auch direkten Einfluss auf die Festigkeitsklasse (z. B. GL 24, GL 28, GL 30 nach EN 14080), weil die mechanischen Eigenschaften von Holz feuchteabhängig sind. Mit steigender Holzfeuchte nehmen insbesondere Biegefestigkeit, Druckfestigkeit und Steifigkeit ab. Deshalb beziehen sich die angegebenen Festigkeitswerte immer auf einen definierten Feuchtebereich bzw. eine normativ festgelegte Referenzbedingung.
Wird eine Lamelle mit zu hoher Feuchte verarbeitet, kann sie im späteren Trocknungsprozess im Bauteil „nacharbeiten“, was zu Spannungen führt und die rechnerisch angesetzte Festigkeit nicht mehr sicher gewährleistet wäre. Die konsequente Feuchtekontrolle stellt also sicher, dass die Lamellen tatsächlich die vorausgesetzte Festigkeitsklasse zuverlässig erfüllen.
Auch für die Nutzungsklasse (Service Class 1–3 nach Eurocode 5) spielt die Holzfeuchte eine entscheidende Rolle. Diese Klassen beschreiben die Umgebungsbedingungen, denen ein Bauteil ausgesetzt ist:
- Nutzungsklasse 1: Innenräume, dauerhaft beheizt → Holzfeuchte ca. ≤ 12 %
- Nutzungsklasse 2: überdachte Außenbereiche → höhere, schwankende Feuchte
- Nutzungsklasse 3: frei bewittert bzw. außen ohne Schutz → deutlich höhere Feuchtewechsel
Die gemessene und eingestellte Holzfeuchte der Lamellen stellt sicher, dass das Brettschichtholz später zur vorgesehenen Nutzungsklasse passt. Nur wenn die Feuchte kontrolliert und homogen ist, kann das Bauteil die erwartete Formstabilität, Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit in der jeweiligen Umgebung zuverlässig erfüllen.
Kurz gesagt: Die Holzfeuchte ist nicht nur ein Fertigungsparameter, sondern die Grundlage dafür, dass die Leimbinder die Festigkeitsklasse erreichen und dauerhaft in der richtigen Nutzungsklasse eingesetzt werden können.
Welche Aufgabe hat die Verklebung der Lamellen?
Die Verklebung verbindet die einzelnen Holzlamellen dauerhaft zu einem tragfähigen und formstabilen Bauteil. Dadurch können mit Brettschichtholz große Spannweiten, hohe Belastbarkeiten und unterschiedlichste Bauteilformen realisiert werden. Gleichzeitig sorgt die Verklebung dafür, dass natürliche Schwachstellen des Holzes ausgeglichen und die Festigkeit des gesamten Tragwerks erhöht werden.
Warum ist Präzision bei der Herstellung so wichtig?
Hohe Präzision ist entscheidend, damit das Brettschichtholz, bzw. die Leimbinder, die geforderten statischen Eigenschaften, exakten Maße und die gewünschte Passgenauigkeit erreicht. Bereits kleine Abweichungen bei Holzfeuchte, Verklebung oder Bearbeitung können die Qualität und Tragfähigkeit beeinflussen. Gerade bei großen Tragwerken und komplexen Sonderkonstruktionen ist eine präzise Fertigung wichtig, damit die Bauteile auf der Baustelle exakt montiert werden können.
Welche Qualitätskontrollen gibt es bei der Produktion von BS-Holz?
Bei der Herstellung von BS-Holz erfolgen laufende Qualitätskontrollen entlang des gesamten Produktionsprozesses. Dazu gehören unter anderem die Kontrolle der Holzfeuchte, die Festigkeitssortierung der Lamellen, die Überwachung der Verklebung sowie Maß- und Oberflächenkontrollen der fertigen Bauteile. Zusätzlich werden die Produktionsprozesse regelmäßig durch Eigen- und Fremdüberwachungen geprüft, damit die hohen Anforderungen an Tragfähigkeit, Maßhaltigkeit und Dauerhaftigkeit zuverlässig eingehalten werden.
Woher stammt das Holz für das Brettschichtholz, die bei Schaffitzel hergestellt werden?
Das bei Schaffitzel verarbeitete Holz ist in der Regel PEFC-zertifiziert und stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Deutschland und den angrenzenden Regionen Europas. Kurze Transportwege, eine hohe Rohstoffqualität und eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung spielen dabei eine wichtige Rolle. Eine Ausnahme bezüglich der Transportwege ist Accoya-BSH, deren Holz aus schnell wachsenden, FSC-zertifizierten Plantagen in Neuseeland stammt.